„Service-Wohnen Eimsbüttel“ setzt Maßstäbe in Hamburg
Die Seniorenwohnanlage des Arbeiter-Samariter-Bundes ist die einzige in Hamburg mit Zertifikat für betreutes Wohnen.
Montags Gedächtnistraining, dienstags Kaffeetrinken, mittwochs Englisch, donnerstags Gymnastik,Mittagessen und danach Spielnachmittag. Das Freizeitangebot von „Service-Wohnen Eimsbüttel“ ist ein Grund, warum die Seniorenwohnanlage mit dem Zertifikat „DIN 77800″ ausgezeichnet wurde. Das moderne Haus am Langenfelder Damm erfüllt als einzige Einrichtung in Hamburg die Qualitätsanforderungen an Anbieter der Wohnform Betreutes Wohnen. „Als die Anlage im Februar 2006 eröffnet wurde, haben wir uns freiwillig von der Firma DIN Certco kontrollieren lassen“, sagt Leiter Uwe Lohmann (49) vom Arbeiter-Samariter-Bund, der für die Betreuung verantwortlich ist.
„Mit dem Zertifikat wollen wir zeigen, dass wir uns nach bestimmten Qualitätsmerkmalen richten. Außerdem wollen wir uns von anderen Anbietern abgrenzen.“ Eine Kontrolle dauert etwa drei Tage und kostet je nach Aufwand zwischen 3000 und 5000 Euro. Wie wichtig die Zertifizierung ist, zeigt die derzeitige Diskussion um den Begriff Betreuung. Wie weit sie gehen soll und was sie kosten darf, ist dem Ermessen des Betreibers überlassen. Schließlich ist der Begriff „betreutes Wohnen“ nicht rechtlich geschützt, jeder darf ihn verwenden. Die Urkunde von DIN Certco, Tochterfirma des TÜV Rheinland, hängt repräsentativ im Eingangsbereich und im Büro der beiden Betreuerinnen. Katharina Pulst (27) ist ausgebildete Altenpflegerin und hat Psychologie studiert. Montags bis freitags ist sie von 9 bis 17 Uhr für die Bewohner da. „Fürs Blumengießen im Urlaub wie für Behördengänge“, sagt die fröhliche 27-Jährige. Ihr Aufgabenbereich ist so vielfältig, wie die Bewohner der 76 Wohnungen unterschiedlich sind. „Manche wollen nur mal ein bisschen plaudern, andere brauchen Hilfe bei Rentenbescheiden oder im Haushalt.“ Wenn ein Bewohner krank ist, macht Katharina Pulst Hausbesuche oder erledigt Einkäufe. Und sie kümmert sich um das Freizeitprogramm, veranstaltet auch einen „Klönschnack“ zu aktuellen Themen. Bei ihren regelmäßigen Rundgängen durch das Haus hat sie immer ein offenes Ohr für die Senioren, ist für viele Vertrauensperson. Ursula Brandgassner hakt sich bei der Betreuerin ein, wenn sie vom altersgerechten Fahrstuhl zu ihrer Wohnung im ersten Stock fährt. Wüsste man es nicht besser, könnte man denken, es handele sich um Enkelin und Oma – so vertraut wirken die beiden Frauen zusammen. Die 88-Jährige könnte den Weg auch allein schaffen: Überall im Haus sind Stützgeländer angebracht, und die Stockwerke sind mit großen verschieden farbigen Tafeln gekennzeichnet, damit sich die Bewohner gut zurechtfinden. „Ich fühle mich hier wohl und möchte auch so schnell nicht wieder wegziehen“, sagt Ursula Brandgassner. Von den Freizeitangeboten macht die Rentnerin alles mit – wenn sie es zeitlich schafft. Sie geht oft einkaufen, die Osterstraße liegt nah bei den Seniorenwohnungen. Oder sie bekommt Besuch. Ihre Zweizimmer-wohnung mit Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Balkon hat die 88-Jährige genauso eingerichtet wie ihre Wohnung, die sie bis vor zwei Jahren noch bewohnte. Nur das geräumige Bad mit barrierefreier Dusche und die auffällige Notrufanlage, die mit dem hausinternen Telefonsystem und einem Knopf am Armband der Bewohner verbunden ist, deuten darauf hin, dass es sich um betreute, altersgerechte Wohnungen handelt. Vermieter der Wohnungen ist die Hamburger Immobilienverwaltung MSD, die sich auf betreute Wohnungen spezialisiert hat.
Eine etwa 50 Quadratmeter große Wohnung mit zwei Zimmern kostet rund 600 Euro inklusive. Dazu kommt eine monatliche Betreuungspauschale von 135 Euro. Was in dieser Pauschale enthalten ist, regelt der Vertrag. Grundleistungen sind der Hausnotruf, hauswirtschaftliche, soziale Dienste sowie Freizeitangebote. Kostenpflichtige Wahlleistungen wie Krankengymnastik oder Mahlzeitendienste können auf Wunsch dazugebucht werden. „Die Senioren sollen genauso weiterleben wie bisher. Nur eben mit Betreuung“, sagt Uwe Lohmann, der alle seine Mieter mit Namen kennt. „Betreuung hört nicht auf, wenn die Betreuerinnen nach Hause gehen.“ Ein Ansprechpartner vom ASB ist für die Bewohner rund um die Uhr da. „Wohlfühlen mit Sicherheit“ bringt es die übersichtlich gestaltete Info-Broschüre auf den Punkt – auch eine Qualitätsanforderung des Zertifikats.
„Das wichtigste Kriterium ist die Transparenz“, sagt Uwe Groß, Gutachter bei DIN Certco. „Vom Beratungsgespräch über die Vertragsgestaltung bis zum Betreuungsangebot müssen ältere Menschen, die in eine betreute Wohnanlage ziehen möchten, informiert werden.“
Quelle: Hamburger Abendblatt Vera Altrock 4. September 2008
Zwischenzeitlich haben sich in Hamburg weitere Anbieter nach DIN 77800 zertifizieren lassen. Ausgelöst durch die öffentliche Debatte, wurden insbesondere im privatem Bereich sowie von einer renommierten Stiftung, die sich im Bau befindlichen Projekte auf Ihre Normenkonformität hin überprüft.
Diese Bestätigung wird spätestens nach Inbetriebnahme, bei Erfüllung aller Qualitätsanforderungen, durch das Zertifikat „Betreutes Wohnen DIN geprüft“ ersetzt.
Von: Uwe Groß am 17. Juni 2009
um 11:09